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siticom geht an den Start

WEITERSTADT – Deutschland liegt beim Breitbandausbau nach Angaben der OECD abgeschlagen auf Platz 30 – „wie ein Dritte-Welt-Land“, so Jürgen Hatzipantelis, Sprecher des Branchenverbandes Bitkom in Hessen und bislang Vorsitzender der Geschäftsführung bei der Weiterstädter Devoteam GmbH im Gespräch am Mittwoch. So manches Ingenieurbüro auf dem flachen Land werde damit „abgehängt“, aber auch Private.

Wechselhafte Firmengeschichte

Die französische Devoteam S.A. (Paris) hat den Weiterstädter IT-Dienstleister Danet GmbH 2009 übernommen. Danet war 1981 aus der französischen GSI-Datel ausgegründet worden. Damals war man vor allem für die Bundespost und IBM tätig. Als sich 1996 GSI von der Mehrheit trennte, legten die Danet-Mitarbeiter elf Millionen auf den Tisch und holten sich die Telekom und den Systemintegrator SAIC ins Boot. Devoteam selbst wurde erst 1995 gegründet. 2016 setzte man 556 Millionen Euro um bei einem operativen Gewinn (Ebit) von 47 Millionen Euro. (apd)

Bei den Kapazitäten für die Planung klemmt es

Daran soll sich nach dem Willen Berlins etwas ändern, und zwar rasch. Denn der kritische Erfolgsfaktor für die Digitalisierung hier wie da liege in der Zurverfügungstellung von Bandbreite. Aber selbst wenn die Investitionsmittel bereitstehen sollten für Glasfasernetze überall, intern auch „Fiber to the Bauernhof“ genannt, klemmt es bei den Planungskapazitäten. Und hier kommt nun Devoteam verstärkt ins Spiel über ein Management-Buy-out.

Die neue Firma namens siticom GmbH, seit 1. Oktober am Markt, wird ebenfalls in Weiterstadt ihren Sitz haben. Zwei Drittel der Anteile liegen bei Hatzipantelis (61), der in seiner Karriere bereits 20 Start-ups erfolgreich positioniert hat, sowie bei Stefan Höltken (49). Ein Drittel bleibt beim börsennotierten französischen Technologie- und Beratungsunternehmen Devoteam S.A., das sich so aufs Kerngeschäft refokussiert und die Marke wieder sauber darstellen kann. Denn Kabel in der Erde zu verbuddeln oder mit Baufirmen wie Strabag Netzwerk-Projekte zu diskutieren und Infrastruktur-Gesamtgewerke zu realisieren, das gehört nicht dazu. Und siticom, das weiter eng mit Devoteam zusammenarbeiten wird, erhält so die nötige Anschubfinanzierung, die vor allem auf der Personalseite nötig ist (Kostenanteil 85 Prozent).

Gestartet wird mit 80 Beschäftigten, wovon 70 von Devoteam kommen. 40 haben in der südhessischen Zentrale ihren Schreibtisch. Geplant sind bis Ende kommenden Jahres 200 Experten an den Standorten Weiterstadt, Köln, Bruchsal und München. „Wir wollen schnell wachsen“, so Hatzipantelis, der als Mitglied des Devoteam S.A. Excecutive Boards ausscheidet. Denn Spezialwissen sei reichlich vorhanden, Patente in der Glasfasertechnologie ebenfalls.

Umsatz soll sich in zwei Jahren verdoppeln

Der Umsatz zum Start wird bei elf Millionen liegen – ein Viertel des Devoteam-Geschäftes hierzulande wird also verlagert – und soll sich in zwei, drei Jahren verdoppeln. In der stark fragmentierten Branche der Planer für Kommunikations-Infrastrukturen könne man sich rasch an die Spitze arbeiten, heißt es. Größter Kunde wird zunächst die Telekom sein, die bei der Devoteam-Vorgängerfirma Danet einen großen Anteil hielt. Aber auch für Vodafone, O2 und Co. arbeitet man. Wenn das Thema Breitband 2025 „durch ist“, stehen (auch mobil) der neue Standard 5G an oder autonomes Fahren und damit viele weitere Arbeitsgebiete, so dass siticom kein temporär funktionierendes Geschäftsmodell sein wird, wie versichert wird. Zumal man auch Netzwerke managt, Services bereitstellt wie etwa für VW oder Siemens. Hatzipantelis freut sich auf die neue Herausforderung und will mit seinem neuen „Baby“ die Marktchancen nutzen. In der Digitalstadt Darmstadt gebe es dabei wenig zu tun. Denn die sei bereits „sehr gut verkabelt“.

Dass die Devoteam GmbH durch die Ausgliederung und Neuausrichtung zunächst auf 30 Millionen Euro Umsatz schrumpft und 120 Beschäftigte, das ist nach Angaben von Natalija Kolar – der neuen Geschäftsführung gehören auch Andreas Klinger und Tobias Hummel an –, aber bestenfalls eine Momentaufnahme. Denn das Programm „2020 Scale“ der Devoteam S.A. – nach eigenen Angaben führendes IT-Beratungsunternehmen in Europa – steht und sieht eine Umsatzverdopplung auf rund eine Milliarde Euro vor. Dazu soll eben auch die Entscheidung beitragen, die beiden Marken getrennt aufzustellen. Der Aktienkurs des in Paris gehandelten Papiers ist in den vergangenen Jahren kräftig auf 80 Euro gestiegen.

Weil Frankreich und die Bundesrepublik im Mittelpunkt der Wachstumsstrategie stehen, die sich vor allem um den Bereich SMACS kümmert (Kurzform für Social, Mobile, Analytics, Cloud, Security), wird Weiterstadt als deutsche Zentrale entsprechende Zahlen beisteuern müssen. Konkret: 60 (derzeit 30) Millionen Euro Umsatz bei künftig etwa 240 Mitarbeitern sowie eine Rendite auf Konzernniveau. Dann sollte man auch wieder im Ranking des Branchendienstes Lünendonk unter den Top-25-Adressen auftauchen, heißt es.

Zum Artikel im Darmstädter Echo

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